28
Okt

In vielen Ausschreibungen und Bauverträgen findet sich als Anforderung häufig die Formulierung „erhöhter Schallschutz nach DIN 4109:1989 Beiblatt 2“. Mit Erscheinen der DIN 4109-5:2020, die in den Fach- und Verkehrskreisen umstritten ist, wird das längst veraltete Beiblatt 2 nun ersetzt. Der neue Teil der DIN 4109 trägt den Titel „Schallschutz im Hochbau – Teil 5: Erhöhte Anforderungen“. In dieser Norm werden gegenüber den in DIN 4109-1 festgelegten Mindestanforderungen erhöhte Anforderungen an den Schallschutz im Hochbau definiert. Die Definition der erhöhten Anforderung basiert allerdings „nur“ auf einer Erhöhung der Anforderungswerte im Bereich des Normauswertebereiches von 100 Hz bis 3150 Hz.

Hierbei ist Vorsicht geboten. Ohne die Berücksichtigung der Frequenzen unter 100Hz (erheblicher Einfluss für z.B. Trittschallgeräusche) ist auch bei Einhaltung der sogenannten „erhöhten Anforderungen“ nach DIN 4109-5:2020 eine wahrnehmbare Verbesserung des Schallschutzes für die Nutzer nicht sichergestellt. Dies gilt leider trotz der „strengeren“ Anforderungen der DIN 4109-5:2020. Denn obwohl der Zielwert des bewerteten Trittschallpegels L’n,w < 45 dB der DIN 4109-5:2020 um 1 dB besser erscheint als der L’n,w < 46 dB des Komfort- Schallschutzniveaus nach INFORMATIONSDIENST HOLZ: SCHALLSCHUTZ IM HOLZBAU | GRUNDLAGEN UND VORBEMESSUNG, bildet der Zielwert der Norm nicht den tieffrequenten Bereich unter 100 Hz ab. Hier hilft der Spektrumanpassungswert Ci50-2500 der die für den Trittschall maßgeblichen Frequenzen bis 50 Hz berücksichtigt. Dieser wird beim Komfort- Schallschutzniveau mit Ln,w + Ci50-2500 < 47 dB berücksichtigt. Ein entscheidender Unterschied bei der Zielwertdefinition, der den für den Nutzer wahrnehmbaren Schallschutz erheblich beeinflusst. Die Zielwertdefinition inkl. der Berücksichtigung der tiefen Frequenzen nach dem Komfort- Schallschutzniveau (INFORMATIONSDIENST HOLZ: SCHALLSCHUTZ IM HOLZBAU) bildet die akustische Realität besser ab.

Bei Verträgen oder Leistungsbeschreibungen mit „erhöhten Anforderungen“ nach DIN 4109-5:2020 sollte folglich im Auftragsfalle immer die Frage gestellt werden, ob „nur“ erhöhte Anforderungen nach DIN 4109-5:2020 oder eine wahrnehmbare Verbesserung des Schallschutzes das Ziel ist. Hier sollte eine klärende Abstimmung mit dem Auftraggeber erfolgen. Im Bereich der Planung wird von der reinen Vorgabe erhöhter Werte im Normauswertebereich nach DIN 4109-5:2020 abgeraten.

Empfohlen wird die Anwendung der Schallschutzniveaus „BASIS+“ hinsichtlich der tiefen Frequenzen beim Trittschall oder „KOMFORT“ der Schrift INFORMATIONSDIENST HOLZ: SCHALLSCHUTZ IM HOLZBAU | GRUNDLAGEN UND VORBEMESSUNG holzbau handbuch | REIHE 3 | TEIL 3 | FOLGE 1 

DIN 4109-5:2020

Zur DIN 4109-5:2020 gab es ein Schlichtungsverfahren der Fach- und Verkehrskreise, welches keinen Einfluss mehr auf die Veröffentlichung der Norm hatte, aber zu Folge hat, dass der verantwortliche Normenausschuss NA 005-55-74 AA des Deutschen Instituts für Normung (DIN) zeitnah mit der Bearbeitung eines Änderungsblattes A1 zur DIN 4109-5 beginnen wird. Ziel soll sein, dass bei den Anforderungen von Decken in Leichtbauweise (z.B. Neubau von Holzbalken-, Brettstapel- oder Brettsperrholzdecken) der tieffrequente Bereich normativ berücksichtigt werden kann.

Gegenüber DIN 4109 Beiblatt 2:1989-11 und DIN SPEC 91314:2017-01 wurden folgende Änderungen vorgenommen:

a) redaktionelle Überarbeitung von DIN 4109 Beiblatt 2, Abschnitt 3;
b) Empfehlungen für den Schallschutz im eigenen Bereich wurden gestrichen;
c) Überarbeitung von Anforderungswerten aus DIN 4109 Beiblatt 2 unter Einbeziehung von DIN SPEC 91314:2017-01;
d) Anpassung der Dokumentenstruktur an DIN 4109-1;
e) Anhang A hinzugefügt.

Mehr zum Thema Schallschutz gibt es in unserem zweitägigen Online-Seminar „Schallschutz im Holzbau – Grundalgen, Bemessung und zeitgemäße Konstruktionen“ am 02. und 03. November 2020. Alle Informationen und Anmeldung gibt es hier .

 

 

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