23
Okt

Zum nunmehr achten Mal in Folge und zum ersten Mal gemeinsam mit Hamburg hat das HBZ* Nord zu den 8. Schleswig-Holsteinischen Holzbautag geladen. Diesen Ruf waren über 150 Teilnehmer nach Neumünster in die Holstenhallen gefolgt.

Zusätzlichen Mehrwert für die Besucher bot die begleitende Fachausstellung. „Spätestens nach den holzbaufreundlichen Änderungen der Hamburger Bauordnung und der Schleswig-Holsteinischen Landesbauordnung befindet sich der Norden Deutschlands ‚auf dem Holzweg’“, sagt HBZ*-Leiter Erik Preuß. Und so sollte der Holzbautag die Anforderungen und Rahmenbedingungen, aber auch die technischen und architektonischen Möglichkeiten aufzeigen.

Die breit aufgestellten und praxisorientierten Vorträge reichten von der Herkunft des Holzes über seine Verwendung in innovativen Holzbauprodukten bis zu vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten. Und damit brachte das Motto „Moderner Holzbau – Mehrgeschossig & Standardisiert – Projekte – Erkenntnisse –Innovationen“ Ausführende, Planer und Bauherren zusammen und fachlich auf einen Stand.

Alain Paul, Vorsitzender des Landesbeirats Forst- und Holzwirtschaft Schleswig-Holstein und Hamburg beleuchtete die Ressource Holz und ihre Verfügbarkeit. „Wir wollen die Verwendung von Holz weiter forcieren, die Vorteile von heimischem Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern aufzeigen und damit eine noch bessere Akzeptanz in der breiten Öffentlichkeit erreichen“, so Paul.

Prof. Ludger Dederich, Hochschule Rottenburg/Neckar, gab einen Ausblick auf den Holzbau der Zukunft und sprach dabei über Vorurteile und Chancen. Neue Möglichkeiten würden helfen, den Holzbau als zuverlässige, ökologisch motivierte Alternative zu etablieren. Dabei würde das tradierte, handwerklich geprägte Wissen um den natürlichen Baustoff Holz mit modernen Prozessen bis hin zu digitaler Planung und Fertigung kombiniert werden.

Weitere Vorträge namhafter Referenten sorgten mit praxisorientierten Inhalten wie VOC-Messungen, Brandschutz oder Möglichkeiten im Holzbau für großes Interesse bei den Zuhörern. Vorträge aus Sicht des Praktikers über verschiedene Bauformen rundeten das Spektrum ebenso ab wie die Erfassung von digitalen Dachaufmaßen per Drohne.

Das Highlight des Tages war die Verleihung des vom Landesbeirat Forst- und Holzwirtschaft des Landes Schleswig-Holstein und der Freien und Hansestadt Hamburg ausgelobten Holzbaupreises 2020 für Schleswig-Holstein und Hamburg.

Die Bandbreite und Vielzahl des Holzbaus zeigen die 42 für den Architekturwettbewerb eingereichten Projekte – in den Kategorien Neubau und Bauen im Bestand. Eine achtköpfige hochkarätige Jury aus Hochschulen und Institutionen hatte im Januar die Auswahl getroffen und drei Arbeiten mit Preisen und vier mit Anerkennungen ausgezeichnet. Zusätzlich wurden zwei Arbeiten mit dem vom Gesamtverband Deutscher Holzhandel e.V. gestifteten Sonderpreis „Herausragende Gestaltung mit dem Werkstoff Holz“ prämiert.

Coronabedingt fand die Ehrung nun erst im September im Rahmen des Holzbautages statt. Als Vorsitzender der Wettbewerbsjury übergab Architekt Prof. Ludger Dederich die Auszeichnungen und Anerkennungen an die Preisträger.

Zuvor betonten Jens Kerstan, Senator der Umweltbehörde Hamburg, und Thorsten Elscher, Abteilungsleiter im Umweltministerium Schleswig-Holstein, in ihren Grußworten die herausragenden Eigenschaften und Vorteile des umweltfreundlichen und nachhaltigen Baustoffes Holz. Die eingereichten Bauprojekte würden eindrucksvoll dessen Vielfalt und Mannigfaltigkeit zeigen.

Jürgen Klatt, Aussteller und Vertreter des GD Holz, betonte wie wichtig es sei, den Holzbaupreis zu unterstützen. Preuß erklärte: „Wir sind besonders stolz, dass aus unserem Verband einige Holzbaubetriebe unter den Preisträgern sind.“ Diese drei wolle er besonders hervorheben.

Mit dem Preis Bauen im Bestand ist ein Projekt im Rahmen der Nachverdichtung von Siedlungsgebieten ausgezeichnet worden. Bei dem Wohnhaus aus den 1960er Jahren in Hamburg wurde von einem Rückbau abgesehen und stattdessen das bestehende Gebäude energetisch optimiert und über dem Erdgeschossgrundriss eine Teilaufstockung realisiert. Bauherren sind Jo Marie Farwick und Helge Schäfer, Hamburg; den Holzbau ausgeführt hat die Zimmerei Fritze aus Kiebitzreihe.

Ebenfalls im Bereich Bauen im Bestand gibt es eine Anerkennung für die Sanierung und Aufstockung eines Verwaltungsgebäudes in Bad Segeberg. Mit gestalterisch und konstruktiv holzbaugerechter Planung wurde ein wenig spektakulärer Verwaltungsbau aus den 1970er Jahren aufgewertet. Bauherr ist die Ärztekammer Schleswig-Holstein KdöR, Bad Segeberg; den Holzbau ausgeführt hat die Holzbau Pagels GmbH aus Bad Segeberg.

Der Sonderpreis für herausragende Gestaltung mit dem Werkstoff Holz in der Kategorie Bauen im Bestand wurde für die Modernisierung der Fassaden und Dächer des Wikingermuseums in Haithabu vergeben. Bei diesem Objekt wurde die Gebäudehülle saniert. Diese ist mit Mitteln des konstruktiven Holzbaus und -schutzes verbessert und energetisch optimiert worden, wobei ihre Struktur und ihr Charakter so weit wie möglich erhalten blieben. Bauherr ist die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig; den Holzbau ausgeführt hat die Hans Voss Holzbau GmbH & Co. KG aus Neumünster.

Preuß war mit der Veranstaltung sehr zufrieden: „Wir durften tolle Projekte prämieren, namenhafte Referenten begrüßen und am Ende zufriedene Teilnehmer verabschieden.“ Auch die Teilnehmer äußerten sich durchweg positiv. „Gute Qualität der Vorträge, namhafte Firmen als Aussteller und eine gute Möglichkeit, auf dem Laufenden zu bleiben“, bringt es York Petersen von der Planungswerft in Husum auf den Punkt. Auch Robert Voss von Voss Holzbau aus Neumünster nimmt wegen der interessanten Themen am Holzbautag teil, aber auch, um sich mit den anderen Teilnehmern auszutauschen.

Die Gewinnerprojekte werden von Zeit zu Zeit auf unserer Homepage unter „Holzbau Im Norden“ vorgestellt. Wer es bis dahin nicht abwarten kann, kann sich die Dokumentationsbroschüre mit allen eingereichten Projekten hier herunterladen.

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